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Chinese aus Saarland bringt Stars nach Schanghai 29 December 2005

Posted by feldpress in China, dpa, Eigenes, Kultur, Medien, Musik.
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Von Anja Feldmann, dpaSchanghai (dpa)

Ein chinesischer Hornist aus Saarbrücken organisiert das Musikereignis des Jahres in Schanghai. Dass die Stars der Musikwelt wie zuletzt Luciano Pavarotti in der ostchinesischen Hafenmetropole Station machen, gilt längst als selbstverständlich. Doch für die wahren Beifallsstürme sorgen Rückkehrer wie der 22 Jahre junge Nachwuchspianist Lang Lang und andere chinesische Spitzenmusiker. Han Xiaoming, Musiker am Rundfunk-Sinfonieorchester Saarbrücken, hat rund 100 chinesische Musiker aus dem Ausland für mehrere Konzerte zum Jahreswechsel (31. Dezember bis 2. Januar) nach Schanghai geholt.


«Das war einfach mein Traum. In Saarbrücken fühle ich mich oft als Einzelkämpfer. Aber wir haben auch gute Leute in China. Deshalb möchte ich unbedingt ein chinesisches Orchester präsentieren», sagt der 42-jährige Han Xiaoming. Mit 17 Jahren ging er in die USA, studierte später als Stipendiat des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) in Deutschland und lehrt seit 15 Jahren an der Musikhochschule des Saarlandes.

Für das Neujahrskonzert gewann Han Xiaoming Kollegen aus München, Frankfurt und Berlin, Paris, Berlin und New York. «Sie haben alle anderen Auftritte abgesagt», sagt der Hornist, der seit vier Monaten mit den Vorbereitungen beschäftigt ist. Er konnte neben dem Pianisten Lang Lang, der in China wie ein Popidol gefeiert wird, auch andere international gefeierte Stars für sein Vorhaben gewinnen.

«Wir haben versprochen, dass dies das beste Konzert seit 1949 wird», sagt die gebürtige Schanghaier Sopranistin Huang Ying, die an der Seite von Placido Domingo, José Carreras und Andrea Bocelli gesungen hat. «Ich bin stolz, eine der 100 chinesischen Musiker aus dem Ausland zu sein, die für dieses Konzert zurückkommen.» Und Lang Lang fügt hinzu: «Wir sind ja alle chinesische Musiker.»

In Schanghai lebe es sich heute nicht mehr anders als in New York, meint Han Xiaoming. In der Musikszene sieht er jedoch Nachholbedarf. «Wir haben noch kein Spitzen-Sinfonieorchester. Das Niveau ist gut, aber nicht spitzenmäßig.» Notwendig sei daher privates Engagement. Auch das Neujahrskonzert wird von der Stadt Schanghai lediglich unterstützt; die Finanzierung in Höhe von 1,5 Millionen Euro kommt von dem Privatinvestor Zhou Kangyi.

«Man braucht Sponsoren, zum Beispiel für Instrumente. Viele chinesische Musiker spielen auf Instrumenten für zwei bis dreitausend Euro. In Deutschland investieren Berufsmusiker zehn Mal soviel. Und Spitzenkünstler wie bei unserem Konzert spielen auf Instrumenten, die mehr als 200 000 Euro kosten», rechnet Han Xiaoming vor.

An Nachwuchs fehlt es im Milliardenreich nicht. Schon chinesische Vorschulkinder werden von ehrgeizigen Müttern in Konzertsäle geschleppt. Nichts bleibt in den Einkindfamilien unversucht, um künstlerische Talente zu fördern zwecks einer erfolgreichen, umfassenden Ausbildung. «Allein 80 000 Klavierstudenten gibt es in China», sagt Han Xiaoming.

Auslandschinesen wie Han Xiaoming sind in der Volksrepublik gesuchte Experten. Seit Jahren bemüht sich die chinesische Regierung, ihre Landsleute aus dem Ausland für die Ausbildung zurückzugewinnen. Han Xiaoming unterrichtet jedes Jahr zwei Monate chinesische Blechbläser. Die Kollegen in China sehen die Rückkehrer jedoch vielfach als unliebsame und überbezahlte Konkurrenten, die ihnen die Studenten abspenstig machen. Han Xiaoming ist deshalb auch nicht glücklich über den Titel des Neujahrskonzerts. «”Haiwai huaren – Chinesen aus Übersee”, dieser Titel trennt in Inlands- und Auslandschinesen. Ich spreche lieber von “Global Chinese Artists”. Aber Schanghai will diese Trennung.»

dpa af/lw xx np/mh 290133 Dez 05

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